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Primarschule: Warum Englisch und nicht Französisch?

Vor allem SekZH, ZKM und Schulsynode setzten sich vorrangig für die "Sprachqualität" ein. Zwei Fremdsprachen an der Primarschule sind für sie daher zuviel. Der Kantonsrat wird sich im Sommer jedoch wahrscheinlich für deren zwei entscheiden. Das soll die Volksinitiative verhindern.

Da es im Kommen ist, wird Englisch ab 3./4. Klasse vorgeschlagen. Allerdings als traditionelles Sprachfach und nicht wie von der PHZH beabsichtigt als Immersion. Dazu obligatorisches Französisch für alle auf der Oberstufe (wie früher vor dem Primarschulfranzösisch).

Die ersten Recherchen für SekZH bei eidgenössischen Bildungspolitikerinnen und -politikern (Frühjahr 2001) hatten zum Ziel, im leidigen Sprachenkrieg eine Lanze für Französisch zu brechen. Seit Dezember 2003 schlagen wir nun Englisch an der Primarschule vor. Was ist in der Zwischenzeit geschehen?

Unser bisheriger Kampf: Sprachqualität hat Vorrang!
Als Vorkämpfer in der Sprachenfrage merkten die SekZH und mit ihnen die ZKM sehr rasch, dass nicht die Erstsprachenfrage (Zuerst Französisch oder Englisch?) der entscheidende Punkt war, sondern die Sprachqualität.

In unzähligen Vorstössen an Bildungspolitiker, Parlamentarierinnen, Lehrkräfte, Schulpflegen, Medien riefen sie nach einer Denkpause, forderten das längst fällige Gesamtsprachenkonzept, verlangten, all die gravierenden Konsequenzen eines doppelten Fremdsprachenunterrichts, eines frühen Fremdsprachenbeginns und einer alarmierenden Deutschsituation zu überdenken. Schliesslich schlugen sie für die Erstsprachenregelung einen ehrlichen, demokratischen Volksentscheid vor.

Im Oktober 2003 lehnte nun auch die Zürcher Schulsynode zwei Fremdsprachen an der Primarschule ab. Damit gab die Zürcher Gesamtlehrerschaft eine Antwort auf die Frage der ehemaligen Genfer Erziehungsdirektorin und Vizepräsidentin der EDK, Martine Brunschwig Graf, welche diese zweieinhalb Jahre vorher den SekZH gestellt hatte: " Warum kommt niemand aus der Schweizer Lehrerschaft zur EDK und sagt, dass zwei Fremdsprachen an der Primarschule zu viel seien ...?"

Gegnerische Politik des Fait accompli
Was machte nun aber die Gegenseite in all den Jahren? Sie arbeitete fieberhaft an ihrem Doppelziel: Mit der flächendeckenden Einführung von Frühenglisch sollte ein Fait accompli geschaffen werden - Sprachqualität hin oder her. Dazu hielt man trotz absehbarer Überforderung an der zweiten Fremdsprache Französisch fest, nicht zuletzt als staatspolitischem Feigenblatt den Romands gegenüber.

Zementiert wurde das Zürcher Frühenglischkonzept (samt Festhalten an Französisch) im letzten Augenblick der Buschor Ära, nämlich durch den Bildungsratsbeschluss vom 14. 3. 2003. Auch die kantonsrätliche Bildungskommission (KBIK) wird in ihrer Neufassung des Volksschulgesetzes auf zwei Fremdsprachen an der Primarschule beharren und so dürfte danach
auch der Kantonsrat mit seinen jetzigen Mehrheitsverhältnissen im kommenden Frühsommer definitiv entscheiden.

Um das zu verhindern oder einen solchen Kantonsratsentscheid zu korrigieren, starten wir die Volksinitiative. Diese verlangt materiell "Nur eine Fremdsprache an der Primarschule". Sonst nichts.

Englisch ist im Kommen
Warum macht nun aber das Initiativkomitee über den Inhalt der Initiative hinaus noch einen Vorschlag zur Lösung der Erstsprachenfrage? Und warum schlägt es Englisch vor?

Nachdem Zürich die Englischdiskussion losgetreten hatte und in der Folge ein Grossteil der Deutschschweizer Kantone in zuweilen geradezu hysterischer Manier den "Zürcher Zug" nicht verpassen wollte (und Zürich wiederum nicht den "nationalen"!), ging der öffentliche Trend je länger je mehr zum Englisch hin, im Wirtschaftskanton Zürich ohnehin, vermutlich aber auch in der übrigen Schweiz und sogar in der Romandie.

Diese Beobachtung wurde bestärkt durch unsere Gespräche in Bundesbern und im Welschen im Dezember 2003: Bundespolitiker, die sich seit je in vorderster Linie für eine Landessprache als erster Fremdsprache engagieren, sprechen von einer "lutte perdue", einem verlorenen Kampf.

Dann die Alltagsrealität: Englisch liegt den Jugendlichen, den Eltern und der Gesellschaft offenbar näher, wird es doch dem heutigen Lebensumfeld der Jugend und den Anforderungen des Berufslebens gerechter.

Was ist nun aber in dieser Situation so tragisch, kann man sich grundsätzlich fragen, wenn Französisch wieder auf die Oberstufe käme? Wenn wir dadurch wieder den früheren Zustand (status quo ante) hätten, wie vor der Einführung des Primarschulfranzösischs? Ist es für die Landessprache nicht wesentlicher, dass wir auf der Sekundarstufe den Willen zu einem seriösen Französisch haben, z. B. durch eine entsprechend höhere Stundendotierung?

Chance und Notwendigkeit: Engagement für ein gutes Englisch!
Zu Obigem kommt eine weitere, zentrale Überlegung: Wenn Englisch allem Anschein nach schon kommt, dann wollen wir uns für ein qualifiziertes Englisch einsetzen, wollen das Problem der Sprachqualität selbst an die Hand nehmen und nebst einem guten Französisch auch für ein gutes Englisch kämpfen. Denn fürwahr, dieses ist in Gefahr, bevor es überhaupt begonnen hat:

Da zeichnet sich nämlich unmissverständlich ab, dass die Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH) - allen bisherigen Beteuerungen unserer Bildungsdirektorin zum Trotz - das Frühenglisch in Form von Immersion (CLIL) bringen will, in etwa also eine Aufwärmung des gescheiterten Projekts 21! Entsprechende immersive Unterrichtsreihen ("Wald", "Wasser" etc.) sind bereits geschaffen oder in Vorbereitung, die Ausbildung der Lehrkräfte läuft in dieser Richtung.

In weniger als zwanzig Monaten, im August 2005, hätten wir alsdann flächendeckend ein Fait accompli, nämlich das immersive Realien-Englisch - eine vorprogrammierte Totgeburt! Und dies, obwohl sich die Zürcher Schulsynode jüngst klar dagegen ausgesprochen hat! Und trotz den Warnungen von Wissenschaftern, dass ein lächerlich dotierter Immersionsunterricht von wenigen Wochenstunden sich nicht eigne und dass das Niveau der Lehrenden bei frühem und immersivem Fremdsprachunterricht besonders hoch sein müsste!

Die Zeit läuft also. Daher unser Sprachenkonzept als ein Vorschlag, eine Möglichkeit: Nämlich dem kommenden Englisch zur qualifizierten Umsetzung zu verhelfen, in Form eines Sprachfachs (mit entsprechendem Zeitgefäss), und dadurch die immersive Totgeburt zu verhindern; dazu auf der Oberstufe ein konzentriertes Französisch sicherzustellen, obligatorisch für alle, nebst weiterführendem Englisch (mit Dispensationsmöglichkeit für Schwächere).

Gibt es Alternativen zu unserem vorgeschlagenen Konzept? Selbstverständlich, auch eine Kombination damit, zum Beispiel das, was wir bisher immer gefordert haben: Vor einem definitiven Sprachenentscheid eine Denkpause einzuschalten und sie auszunützen für das längst fällige Gesamtsprachenkonzept und das Überdenken all der Konsequenzen. Am Ende dann eventuell einen demokratischen Urnenentscheid. Das wäre die verantwortungsbewusste Reihenfolge!


Diesmal Qualität und nicht Rekordzeit!
Und die Frage nach den "Betriebskosten"? Nach einzustampfenden Lehrmitteln, verlorenem Französisch-Know-how der Primarlehrkräfte usw. usf.? Dafür sind wir die falsche Adresse! Dazu wende man sich an jene, die wir während Jahren vergeblich beschworen ...

Ob eine Mehrheit nun unserem Vorschlag folgt oder Alternativen wählt: Vielleicht findet dank unserem Vorstoss jetzt endlich die überfällige Diskussion statt. Dabei ist die Frage der Sprachqualität nicht vom Tisch. Sie hat Priorität, wie immer die Lösung heissen wird. Daher ist der August 2005 kein endgültiges, schicksalsgegebenes Datum!

Rolf Saurenmann, Männedorf
Pressegruppe SekZH

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